IVK Tätigkeitsbericht 2019

Wort des Präsidenten und des Direktors

Der neue blaue Sack, eine gründliche Überwachung des Industrieabfalls, die Vereinfachung der elektronischen Eingabe der Abfallvermeidungspläne… Die sind nur einige Dinge, die das Jahr 2019 prägten.

Eines ist sicher: Kreislaufwirtschaft ist angesagt. Man denke an die Eco-Modulation der Tarife von Fost Plus und Valipac, aber auch an die erweiterte Zusammenstellung des neuen blauen Sacks, der in Zukunft mindestens in 14 Fraktionen sortiert werden soll. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Themen, die für die Interregionale Verpackungskommission 2019 prägend waren. Abschließend werfen wir einen kurzen Blick auf das, was uns 2020 erwartet.

2019 erfolgte die Zulassung von Fost Plus für den Zeitraum 2019-2023. Ein wichtiger Teil dieser Zulassung war die allgemeine Verbreitung des neuen blauen Sacks. Ab 2021 sollen überall in Belgien alle Kunststoffverpackungen eingesammelt werden. Ende 2019 konnten bereits über 3 Millionen Belgier den neuen blauen Sack verwenden. Im Sinne einer effizienten Kommunikation auf nationaler Ebene, waren für das Sortieren einfache, klar verständliche und möglichst einheitliche Anweisungen unerlässlich.

Der erweiterte PMD-Strom hat auch Auswirkungen auf die Infrastruktur der belgischen Abfallentsorgung. Der neue blaue Sack wird in mindestens 14 Fraktionen sortiert, damit eine möglichst qualitätsvolle stoffliche Verwertung gewährleistet ist. Das Sortieren erfolgt ausschließlich in Belgien. Speziell zu diesem Zweck werden über ganz Belgien verteilt fünf neue Sortieranlagen gebaut.

Des Weiteren unterbreitete Fost Plus der IVK einen Vorschlag, wie man das Einsammeln von P(+)MD bei Unternehmen und von außer Haus anfallendem P(+)MD neu gestalten könnte. Man denke dabei an Schulen, Sportzentren, Festivals oder Events, Bahnhöfe und Metrohaltestellen, Flughäfen und so weiter. Die zugelassene Einrichtung präsentierte einen Aktionsplan, wie die ehrgeizigen und präzisen Ziele für 2023 erreicht werden könnten: die PMD-Sammlung bei Unternehmen verdoppeln, und mindestens 26.000 Tonnen PMD-Abfall, der außer Haus anfällt, einsammeln.

Außerdem stand auch noch die Eco-Modulation der Tarife von Fost Plus auf der Tagesordnung. Für Verpackungen, die das selektive Einsammeln oder die Sortierung behindern, und Verpackungen, die nicht wiederverwertet werden können, muss in Zukunft ein besonders abschreckender Tarif berechnet werden, der mindestens doppelt so hoch ist wie der höchste Tarif für Wiederverwertung.

Valipac, die zugelassene Einrichtung für die Bewirtschaftung von industriellen Verpackungsabfällen setzte 2019 die Überwachung des industriellen Abfalls fort, mit der ein Jahr zuvor begonnen worden war. Dies ist für die Regionen ein effizientes Instrument, das Einblick in den eingesammelten Industrieabfall gibt, aufgeschlüsselt nach Sektor, Material und Region. Durch die jährliche Berichterstattung ist es uns nicht allein möglich festzustellen, wie sich die Sortierung und das Einsammeln von Industrieabfall entwickelt, sondern auch eventuelle Probleme aufzuspüren, damit die Strategien notfalls angepasst werden können.

2019 wurden zudem die neuen Abfallvermeidungspläne für den Zeitraum 2019-2022 eingereicht. Die vereinfachte Erklärung mit Hilfe von elektronischen Formularen war für die Unternehmen eine große Erleichterung beim Einreichen ihrer Abfallvermeidungspläne einzureichen, gleich ob individuell oder sektoriell.

Im vergangenen Jahr geriet die Verwertung des belgischen Verpackungsabfalls plötzlich ins Kreuzfeuer der Medien. Angeblich sei dieser beispielsweise in Länder wie die Türkei und Malaysia exportiert worden sein, ohne dass die tatsächliche stoffliche Verwertung dort gewährleistet gewesen wäre. Ein Großteil des Verpackungsabfall sei letztendlich nicht verwertet worden, und die Zahlen seien nicht korrekt. So machten allerhand Theorien in den Medien die Runde.

Sowohl die Abfallströme von Haushalts- als auch Industrieverpackungen unterliegen zwecks Gewährleistung ihrer Wiederverwertung einer sehr strengen Kontrolle. Beim geringsten Zweifel an der tatsächlichen stofflichen Verwertung des Verpackungsabfalls, werden diese Mengen aus den Resultaten entfernt, so wie es bereits seit Jahren von der Interregionalen Verpackungskommission und den zugelassenen Einrichtungen Fost Plus und Valipac gehandhabt wird .

Verpackungsabfall aus Haushalten wird in der Praxis nur in Europa verwertet. Und Verpackungsabfall der Industrie wird nur in geringfügigem Maße außerhalb Europas verwertet.

Selbstverständlich wollen wir mit an einer Lösung der Probleme arbeiten, die an der Wurzel dieser Missverstände liegen. In vielen Fällen handelt es sich um falsche Vermutungen. So ging es häufig nicht um Verpackungsabfall, und in anderen Fällen stammte der Abfall nicht aus Belgien, sondern aus dem Ausland, der über einen belgischen Hafen verschifft wurde.

Wie dem auch sei, die IVK ist bestrebt, ein leistungsfähiges und einwandfreies System für die stoffliche Verwertung innerhalb Europas und wo möglich in Belgien zu entwickeln. Deshalb werden wir auch 2020 weiterhin erforschen, welche Möglichkeiten bestehen, die stoffliche Verwertung von Verpackungsabfall innerhalb Belgiens und Europas zu fördern.

Schließlich nahm die Europäische Kommission am 17. April 2019 eine grundlegende Änderung der Berechnungsgrundlagen zur Ermittlung der Resultate in Bezug auf die Verwertung und die stoffliche Verwertung vor. Somit schien es der IVK angeraten, das belgische Berechnungsverfahren zu aktualisieren. Damit der Übergang effizient verläuft, wurde ein unabhängiges Planungsbüro hinzugezogen.

Vorausblickend erwarten wir 2020 mit Interesse die Schlussfolgerungen des Planungsbüros zu den neuen Berichterstattungsmethoden in Anwendung der neuen europäischen Regeln. Des Weiteren steht die endgültige Neufassung des Interregionalen Zusammenarbeitsabkommens vom 4. November 2008 zur Vermeidung und Bewirtschaftung von Verpackungsabfällen aus. Diese enthält einige wichtige Anpassungen. An erster Stelle eine Verdeutlichung der Definition des „Verpackungsverantwortlichen“ als Antwort auf den zunehmenden E-Commerce aus dem Ausland.

Außerdem enthält das neue Zusammenarbeitsabkommen einige sehr ehrgeizige Ziele für die stoffliche Verwertung. Erst einmal werden die pro Material zu erreichenden Quoten für die stoffliche Verwertung gehörig angehoben. Dann werden die Ziele für Getränke- und Haushaltsverpackungen drastisch erhöht: Jeweils 90% und 95% davon müssen im Hinblick auf die stoffliche Verwertung selektiv gesammelt werden.

Bis zum Eintreten dieser Veränderungen wünschen wir Ihnen unterdessen eine angenehme, interessante Lektüre.

Danny Wille
Vorsitzender

Marc Adams
Direktor